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Well done, Julia?

Presseerklärung

  • 01.Sep, 2020

Am 31.08.2020, während des Treffen der EU-Agrarminsterinnen, platzierten Aktivistinnen von Block Bayer ein 5 m x 12 m großes Transparent mit der Aufschrift "Well done, Julia. Bayer" an der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz, um darauf aufmerksam zu machen wie Klöckners Politik den Interessen der Agrochemiekonzernen in die Hände spielt.

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Die Bundesagrarministerin Julia Klöcker (CDU) vertritt häufig die Positionen derjenigen, die von einer exportorientierten industriellen Landwirtschaft profitieren, nämlich der deutschen Lebensmittel- und Agrarchemiekonzerne. Um dies transparent zu machen haben wir folgende Fakten zusammengetragen:

  • Julia Klöckner möchte "mehr Gentechnik wagen" (1) und spielt damit dem Geschäftsmodell Bayers in die Hände, da der Konzern weltweit die größten Genbanken im Nutzpflanzenbereich besitzt und mit der Fusion von Monsanto auch dessen Genpatente, welche im Bereich des Saatguts über weltweit am meisten Patente verfügt. Mit dem Argument man brauche die Crisp-Technologie, um Saatgut für den Klimawandel anzupassen, wird der Bock zum Gärtner gemacht. Die fantastischen Versprechungen der Gentechnikbefürworter*innen wurden bis jetzt, trotz enormer Forschungsgelder nie erfüllt, wie es die Fälle von Golden Rice oder die BT-Baumwolle (2) zeigt. Neben den unbekannten Folgen von Gentechnik, kann die Anpassung an den Klimawandel nie durch monokulturell bepflanzte Felder erfolgen, welche zu eindimensional sind, um auf die komplexen Herausforderungen von Dürre, Überschwemmungen und neuen Krankheitserregern zu reagieren. Die Lösung liegt in Polykulturen, lokal angepasstes, vielfältiges Saatgut und schonende Bodenbearbeitung, um wasserspeichernden Humus aufzubauen und das Netz zwischen Bodenmikroorganismen und der Pflanzen zu stärken, welches die Abwehrkräfte der Nutzpflanzen fördert.
  • Die Landwirtschafsministerin kämpft zudem dafür, dass besonders gefährliche, in EU-Lebensmitteln verbotene Pestizide in Importen erlaubt bleiben. Die Organisation [Corporate Europe Observatory hat berichtet (3), dass sich Deutschland zusammen mit Österreich und weiteren Mitgliedstaaten bei einer EU-Sitzung 2018 dagegen ausgesprochen habe, bestimmte Ackergifte automatisch auch in Einfuhren zu untersagen. Diese Pestizide dürfen in der Europäischen Union nicht gespritzt werden, weil sie Krebs verursachen, das Erbgut schädigen, die Fortpflanzung beeinträchtigen oder das Hormonsystem stören. Derzeit sind manche dieser Ackergifte immer noch in Einfuhren zugelassen. Pestizidhersteller wie Bayer und BASF kämpfen für eine Risikoprüfung und gegen ein automatisches Verbot. Klöckner unterstützt das mit dem Argument, dass die Regeln der Welthandelsorganisation verlangten, das Risiko im Einzelfall zu prüfen. Diese Auslegung ist aber umstritten.
  • Julia Klöckner spielt auch bei der Reduktion der Glyphosat in Deutschland auf Zeit. Ende 2019 wurde den Herstellern von Glyphosat-Pestiziden die Zulassungen für ein weiteres Jahr vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit gewährt und Maßnahmen zur Glyphosatreduzierung, die Klöckner Anfang 2018 angekündigt hat, wurden noch nicht in die Tat umgesetzt (4).

Aber nicht nur an ihren inhaltlichen Positionen lässt sich Klöckers Nähe zu Bayer ablesen. Sie hat sich in ihrer Amtszeit bisher mindestens 25 Mal zu Einzelgesprächen mit Lebensmittelkonzernen und Vertretern der klassischen Agrar-, Fleisch- und Ernährungswirtschaft getroffen, darunter auch Bayer, aber nur fünf Mal mit Vertretern von Organisationen wie dem Bund ökologische Landwirtschaft (5).

Well done, Julia? Wohl nicht!

Unsere Presseerklärung zum Treffen der Agrarminister in Koblenz: https://blockbayer.org/news/post/agrargipfel-koblenz

Quellen:

(1) Wir müssen auf Experten hören – und mehr Gentechnik wagen! https://www.tagesspiegel.de/politik/nicht-nur-bei-corona-auch-in-der-agrarwirtschaft-wir-muessen-auf-experten-hoeren-und-mehr-gentechnik-wagen/26000058.html

(2) A Long-term Analysis of a Controversial GMO Crop von Glenn Davis Stone https://natureecoevocommunity.nature.com/posts/60736-finally-a-long-term-analysis-of-a-controversial-crop

(3) Toxic residues through the back door https://corporateeurope.org/en/2020/02/toxic-residues-through-back-door

(4) Klöckner-Behörde verschleppt Glyphosat-Ausstieg https://www.spiegel.de/wirtschaft/julia-kloeckner-behoerde-verzoegert-glyphosat-ausstieg-a-1301145.html

(5) Klöckners Vorliebe für Treffen mit Nestlé und Co https://www.tagesspiegel.de/politik/die-ministerin-und-ihre-lobbykontakte-kloeckners-vorliebe-fuer-treffen-mit-nestle-und-co/24861696.html

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